Warum Vinyl nicht nur
etwas für Hipster ist.

*Needle-Scratch* Ja wirklich! Es gibt tatsächlich einige Gründe Vinyl zu sammeln und vor allem auch Vinyl zu hören. Ich rede hier auch nicht von dem “lebendigerem” Sound-Bullshit. Wahnsinnig lebendig, wenn ein bisschen Staub ausreicht, um aus dem “Sound” ein Murmeln zu machen. Lasst uns doch mal ehrlich sein: es ist sehr viel angenehmer, einfacher und schneller Musik einfach zu streamen. Doch genau dieses “schneller” ist einer der Gründe, der FÜR die Schallplatte spricht. Entschleunigung ist das Wort der Stunde.

Entschleunigung.

Man kommt nach einem “produktiven” Tag im Büro nach Hause (a.k.a. klappt den Computer zu) und kann sich nun endlich ein wenig entspannen. Endlich nicht mehr auf einen Bildschirm starren. Und nach einem Tag am Computer hat das haptische Erlebnis, eine Platte rauszusuchen, aufzulegen, alles einzustellen und die Nadel zu platzieren, eine besondere Wirkung auf einen. Eine beruhigende, geradezu entspannende Wirkung, die einen aus der virtuellen Welt wieder etwas ankert. (Ich wollte hier eigentlich schreiben, dass es einen in die Realität zurück holt aber angesichts der derzeitigen Weltlage – wer will das schon.)

Das kann man übrigens auch richtig gut zu einem kleinen Ritual zusammenbauen: eine feine Tasse Kaffee oder Tee vorbereiten, das Telefon auf nicht stören schalten, eine Platte raussuchen, es sich auf seinem Lieblingsplatz in der Wohnung gemütlich machen und einfach ein paar Minuten innehalten (vielleicht sogar ein wenig meditieren) und loslassen. Da die Platte nach einer Weile umgedreht werden will, hat das ganze sogar automatisch schon einen Timer eingebaut damit man nichtmal darüber nachdenken muss, dass man das Nachmittags- (oder wann auch immer) Ritual nicht zu lang abhält.

Das haptische Erlebnis eine Platte rauszusuchen, aufzulegen und die Nadel zu platzieren hat eine besondere Wirkung.

Der Musik wieder Wert geben

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich damals Stunden damit verbracht habe, meine iTunes Bibliothek tip-top sauber zu halten – Playlists zu erstellen, Musik hinzufügen, Album-Cover und Track-IDs zu Songs hinzuzufügen (und bei vielen sogar die Songtexte). Dieser Aufwand hat schlussendlich dazu geführt, dass jeder einzelne Song in meiner ca. 10.000 Song-großen Bibliothek in gewisser weise etwas besonderes war, und dass ich immer genau wusste, was in meiner Bibliothek ist und was nicht.

Seit dem Umstieg auf Streaming ist das jedoch sehr anders. Musik ist sehr viel flüchtiger. Man hört einen Song vielleicht ein paar mal und (sofern es nicht ein absoluter Slammer ist) vergisst man ihn wieder. Hört ihn vielleicht nie wieder. Vergisst, dass er sich in der Bibliothek oder irgendeiner Playlist befindet. Das wiederum führt zu einem großen Wertverlust der Musik gegenüber dem Hörer – ganz zu Schweigen gegenüber dem Artist.

Der Besitz einer Schallplatte kann diesen Wert wieder etwas zurückholen. Nicht nur weil man extra Geld dafür ausgeben muss. Eine Plattensammlung ist streng kuratiert und nur mit den liebsten der liebsten Alben und LPs gefüllt. Es kann definitiv dabei helfen dem ganzen Prozess der Musik-Produktion wieder mehr Wertgefühl zu verleihen, wenn man ein physisches Objekt, welches selbst auch physisch produziert werden muss, mit einem einzigartigen Design darauf gedruckt, in der Hand hält.

Eine Plattensammlung ist streng kuratiert und nur mit den liebsten der liebsten Alben und LPs gefüllt.

Ein Extrapunkt: Das Sleeve-Design

Für mich als Grafiker gibt es zudem natürlich noch den Extra-Punkt mit dem Album-Cover. Es ist einfach toll, das Cover, in welches (meistens) sehr viel Hirn-Schmalz und Arbeit geflossen ist, welches explizit dafür gestaltet wurde, den Inhalt des Albums perfekt visuell zu repräsentieren und/oder zu ergänzen.

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